Stell dir vor, du möchtest einen Online-Shop besuchen, aber die Navigation ist so kompliziert, dass du nicht weißt, wo du klicken sollst. Oder du möchtest ein Bewerbungstool nutzen, aber es lässt sich nur mit der Maus bedienen – was, wenn du stattdessen eine Sprachsteuerung oder nur eine Tastatur nutzt? Solche Hürden sind für viele Menschen Alltag und schränken ihre digitale Teilhabe erheblich ein.
Inclusive Design bedeutet, von Anfang an digitale Produkte so zu gestalten, dass sie für alle nutzbar sind – unabhängig von individuellen Fähigkeiten, Endgeräten oder technischen Einschränkungen.
Doch wie sieht ein wirklich barrierefreies digitales Erlebnis aus? Und wie können Unternehmen sicherstellen, dass ihre Produkte inklusiv gestaltet sind?
Inhaltsverzeichnis
- Was ist Inclusive Design?
- Fünf Prinzipien für Inclusive Design
- Warum Inclusive Design für alle ein Gewinn ist
Was ist Inclusive Design?
Inclusive Design ist eine Designstrategie, die darauf abzielt, digitale Produkte so zu entwickeln, dass sie möglichst viele Menschen ohne zusätzliche Anpassungen nutzen können. Es geht nicht darum, spezielle Lösungen für bestimmte Nutzergruppen bereitzustellen, sondern um die Gestaltung von Anwendungen, die allen gleichermaßen zugutekommen.
Dabei werden verschiedenste Anforderungen berücksichtigt:
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Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen,
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Personen mit motorischen Einschränkungen,
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ältere Menschen,
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Menschen mit temporären Einschränkungen (z. B. durch eine Verletzung),
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Nutzer*innen mit unterschiedlichen technischen Voraussetzungen.
Ein Beispiel: Viele Streaming-Dienste bieten mittlerweile Untertitel für Filme an. Während diese ursprünglich für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen gedacht waren, nutzen sie heute auch viele andere Menschen – sei es in lauten Umgebungen oder beim Lernen einer neuen Sprache.
Genau das ist das Ziel von Inclusive Design: Lösungen zu schaffen, die allen helfen.
Fünf Prinzipien für Inclusive Design
Diese fünf Prinzipien unterstützen euch dabei, eure digitalen Angebote inklusiv zu gestalten. Diese Prinzipien helfen nicht nur, Barrieren abzubauen, sondern fördern auch Innovation und eine bessere Nutzererfahrung für alle.
Nutzerzentrierung: Vielfalt von Anfang an mitdenken
Inklusives Design beginnt mit der Perspektive der Nutzer. Es ist wichtig, deren vielfältige Bedürfnisse und Herausforderungen von Anfang an zu integrieren. Man berücksichtigt nicht nur offensichtliche Anforderungen, sondern auch subtile Aspekte, die die Nutzung beeinflussen. Dazu gehört das Verständnis kultureller Unterschiede und die Anpassung an verschiedene Nutzungskontexte. Nutzerfeedback und Tests mit vielen Personen stellen sicher, dass das Design allen Menschen gleichberechtigten Zugang ermöglicht.
- Best Practice: Plane Nutzertests mit unterschiedlichen Personengruppen ein. Das Testen mit realen Nutzer*innen deckt Barrieren auf, die im Entwicklungsprozess oft übersehen werden.
Flexibilität & Anpassbarkeit: Nutzung individuell ermöglichen
Digitale Inhalte sollten so gestaltet sein, dass sie sich flexibel und dynamisch an die individuellen Bedürfnisse, Vorlieben und Anforderungen der Nutzer*innen anpassen lassen. Dies bedeutet, dass sie personalisierbar und benutzerfreundlich sein müssen, um eine optimale Nutzungserfahrung zu gewährleisten.
- Best Practice: Stelle alternative Nutzungsmöglichkeiten bereit, etwa unterschiedliche Schriftgrößen, Farbkontraste oder Bedienoptionen wie Spracheingabe und Tastaturnavigation.
Klarheit & Verständlichkeit: Intuitive Nutzung ermöglichen
Ein gut strukturiertes Design verbessert die Nutzererfahrung für alle, macht Informationen leicht auffindbar und verständlich, minimiert kognitive Belastung und reduziert Frustrationen. Dies führt zu höherer Zufriedenheit und Bindung an das Produkt.
Best Practice:
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Verwende klare Sprache und verständliche Anleitungen.
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Nutze einfache und konsistente Navigationselemente.
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Setze auf ein kontrastreiches Design, das für alle leicht lesbar ist.
Technische Barrierefreiheit: Digitale Assistenzsysteme unterstützen
Viele Menschen sind auf unterstützende Technologien wie Screenreader oder Sprachsteuerungen angewiesen. Systeme sollten diese Funktionen optimal unterstützen.
Best Practice:
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Verwende strukturierten Code mit semantischem HTML, um sicherzustellen, dass die Struktur und Bedeutung der Inhalte klar und verständlich für alle Nutzerinnen sind, einschließlich derjenigen, die auf assistive Technologien angewiesen sind. Semantisches HTML hilft dabei, die Inhalte für Screenreader und andere Hilfsmittel zugänglich zu machen, indem es die logische Struktur der Webseite verdeutlicht. Ergänze dies mit korrekten ARIA-Attributen, um zusätzliche Informationen bereitzustellen, die die Interaktion mit dynamischen Inhalten erleichtern und sicherstellen, dass alle Nutzer*innen die gleichen Informationen erhalten.
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Vermeide rein visuelle oder auditive Hinweise, die für assistive Technologien nicht erfassbar sind, da diese Hinweise für Menschen mit Seh- oder Hörbeeinträchtigungen unzugänglich sein können. Stattdessen solltest du alternative Texte für Bilder bereitstellen und Untertitel oder Transkripte für Audioinhalte anbieten. Dies gewährleistet, dass alle Nutzer*innen, unabhängig von ihren Fähigkeiten, die bereitgestellten Informationen vollständig erfassen und verstehen können.
Kontinuierliches Testen: Barrieren frühzeitig identifizieren
Kein Designteam kann alle Herausforderungen vorhersagen, da Nutzerbedürfnisse und Technologie eine dynamische Umgebung schaffen. Unterschiedliche Perspektiven werden oft erst im Einsatz sichtbar. Regelmäßiges Testen ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass das Design den Nutzerbedürfnissen gerecht wird. Durch Tests können Barrieren frühzeitig erkannt und behoben werden, was das Design verbessert und zugänglich hält. Tests ermöglichen es, auf Nutzerfeedback zu reagieren und das Produkt zu optimieren.
Best Practice:
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Nutze automatisierte Barrierefreiheitsprüfungen und Tests mit echten Nutzerinnen, um alle Aspekte abzudecken. Automatisierte Prüfungen decken technische Mängel auf, während echte Nutzerinnen wertvolle Einblicke bieten. Diese Kombination berücksichtigt technische und menschliche Faktoren. Da wäre z.B. unser Beratungsprodukt BarrierefreiPLUS, eine umfangreiche Analyse deiner Webseite WCAG 2.2. AA konform.
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Integriere Accessibility-Checks als festen Bestandteil der Produktentwicklung.
Warum Inclusive Design für alle ein Gewinn ist
Barrierefreiheit schafft eine gerechtere Gesellschaft und bietet Unternehmen Vorteile: bessere Benutzererfahrung, erweiterte Reichweite, rechtliche Absicherung und Innovationsförderung. Sie steigert Kundenzufriedenheit und sichert langfristige Wettbewerbsvorteile.
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Bessere User Experience: Klar strukturierte und intuitive Designs verbessern die Nutzung für alle.
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Erweiterte Reichweite: Je zugänglicher ein digitales Angebot ist, desto größer ist die potenzielle Zielgruppe.
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Rechtliche Absicherung: In vielen Ländern gibt es gesetzliche Vorgaben zur Barrierefreiheit, deren Nichteinhaltung kostspielig sein kann.
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Innovationspotenzial: Unternehmen, die auf Inclusive Design setzen, entwickeln oft kreativere und bessere Lösungen.
Digitale Barrieren abzubauen bedeutet, mehr Menschen einzubeziehen. Unternehmen, die hier investieren, sind langfristig erfolgreicher.