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Brevo-Zustellbarkeit: Was Shared IPs und Googles Sender-Regeln für euren E-Mail-ROI bedeuten

brevo

Was ihr mitnehmt

  • Brevos gemessene Zustellrate liegt bei 89% – bei 50.000 Kontakten sind das über 5.000 verlorene Mails pro Woche.
  • Shared IPs bedeuten: Ein schlechter Nachbar kann eure Zustellbarkeit ruinieren, ohne dass ihr es im Dashboard seht.
  • Googles verschärfte Sender-Regeln treffen Shared-IP-Nutzer besonders hart – DMARC-Setup ist Pflicht.
  • Drei Optionen: Shared IP optimieren, Dedicated IP kaufen oder Plattform wechseln – keine davon ist pauschal richtig.

Euer Team hat Brevo gewählt, weil das Budget knapp war und die Plattform alles bot, was ihr braucht: E-Mail, SMS, Automationen, ein vernünftiges Interface. Die Flows laufen, die Kampagnen gehen raus. Aber seit ein paar Wochen sinken die Open Rates. Ihr testet Betreffzeilen, überarbeitet Segmente, optimiert Sendezeiten. Was ihr nicht prüft: ob eure Mails überhaupt im Posteingang ankommen.

89,1% – was diese Zustellrate konkret bedeutet

Im Februar 2025 wurde Brevos Zustellrate unabhängig gemessen: 89,1%. Das klingt nach „knapp genug”. In der Praxis bedeutet es: Von 10.000 versendeten Mails haben rund 1.100 ein Zustellproblem. Bei einer wöchentlichen Kampagne an 50.000 Kontakte sind das über 5.000 Mails pro Woche, die den Posteingang nicht erreichen.

Zum Vergleich: Etablierte Plattformen erreichen Zustellraten von 95% und höher. Der Unterschied zwischen 89% und 95% klingt nach sechs Prozentpunkten. In absoluten Zahlen ist es der Unterschied zwischen 5.500 und 2.500 nicht zugestellten Mails – pro Kampagne, pro Woche.

Die Zustellrate ist dabei kein fixer Wert. Sie schwankt je nach IP-Reputation, Listenqualität und Empfänger-Infrastruktur. Und genau hier beginnt das eigentliche Problem.

Das Nachbarschaftsproblem: Shared IPs und Blacklists

Brevo nutzt für die meisten Accounts Shared IPs. Das heißt: Eure Mails werden von derselben IP-Adresse gesendet wie die Mails hunderter anderer Brevo-Kunden. Wenn einer dieser Kunden Spam sendet oder gegen Best Practices verstößt, leidet die Reputation der gesamten IP – und damit eure Zustellbarkeit.

Das ist kein theoretisches Risiko. In der Brevo-Community sind Fälle dokumentiert, in denen Brevos IPs auf SpamCop und SpamHaus gelandet sind – zwei der meistgenutzten Blacklist-Dienste. ProofPoint, das viele Unternehmens-E-Mail-Systeme als Spam-Filter nutzt, hat ebenfalls Brevo-IPs blockiert. Ergebnis: Soft Bounces bei allen Empfängern, deren Provider diese Blacklists oder Filter nutzt.

Das Tückische: Wenn eure IP auf einer Blacklist landet, seht ihr das nicht in Brevos Dashboard. Ihr seht steigende Bounce-Raten, sinkende Open Rates, vielleicht eine Warnung in Google Postmaster Tools. Aber die Ursache – ein anderer Sender auf derselben IP – ist für euch unsichtbar und nicht kontrollierbar.

Ein Community-Mitglied berichtet von einem besonders drastischen Fall: Nach der Verschärfung der Google- und Yahoo-Sender-Anforderungen stiegen die Soft-Bounce-Raten initial auf 98–99%. Erst nach Monaten der Remediation – DMARC-Konfiguration, Listenhygiene, Warm-up – sanken sie auf 50–60%. Google Postmaster Tools zeigten die Domain als „bad IP reputation” an. Der Absender hatte alles richtig gemacht. Die IP, auf der er saß, nicht.

Googles Sender-Regeln treffen Shared-IP-Nutzer besonders

Seit 2024 setzen Google, Yahoo und seit Kurzem auch Microsoft verschärfte Anforderungen an Bulk-Sender durch: SPF, DKIM und DMARC müssen korrekt konfiguriert sein. One-Click-Unsubscribe ist Pflicht. Die Spam-Complaint-Rate muss unter 0,1% bleiben. Wer diese Anforderungen nicht erfüllt, dessen Mails werden abgelehnt – nicht gefiltert, nicht in den Spam-Ordner sortiert, sondern abgelehnt.

Für Brevo-Nutzer auf Shared IPs verschärft sich jede dieser Anforderungen. DMARC könnt ihr selbst konfigurieren – aber die IP-Reputation, die in die Sender-Bewertung einfließt, liegt nicht in eurer Hand. Die Spam-Complaint-Rate messt ihr für eure Domain – aber wenn die Shared IP bereits vorbelastet ist, startet ihr mit einem Handicap.

Das ist kein Brevo-exklusives Problem. Jede Plattform mit Shared IPs hat es. Aber Brevo trifft es stärker, weil die Plattform preislich aggressiv positioniert ist und damit Sender anzieht, die weniger in Listenhygiene und Compliance investieren. Das Geschäftsmodell, das Brevo günstig macht, ist dasselbe, das die IP-Qualität unter Druck setzt.

Drei Dinge, die ihr in Brevo sofort prüfen könnt

DMARC-Setup verifizieren. Geht in eure DNS-Einstellungen und prüft, ob SPF, DKIM und DMARC korrekt konfiguriert sind. Brevos Dokumentation führt durch den Prozess. Ein fehlerhaftes DMARC-Setup ist der häufigste Grund für Ablehnungen bei Gmail und Yahoo – und der am schnellsten behebbare.

Google Postmaster Tools einrichten. Wenn ihr das noch nicht habt: Richtet Google Postmaster Tools ein und beobachtet eure Domain-Reputation über zwei bis vier Wochen. Die Tools zeigen euch, ob Google eure Domain als „bad”, „low”, „medium” oder „high” einstuft – und ob das Problem bei eurer Domain oder eurer IP liegt.

Bounce-Analyse nach Typ filtern. In Brevos Statistiken könnt ihr zwischen Hard Bounces und Soft Bounces unterscheiden. Wenn der Soft-Bounce-Anteil plötzlich steigt, ohne dass ihr eure Liste verändert habt, ist das ein starkes Signal für IP-Probleme. Hard Bounces deuten eher auf Listenqualität hin.

Die Entscheidung: Optimieren, investieren oder wechseln

Wenn die Analyse ergibt, dass eure Zustellbarkeit unter Shared-IP-Problemen leidet, habt ihr drei Optionen – keine davon ist pauschal die richtige.

Option 1: Shared IP optimieren. Listenhygiene verschärfen, inaktive Profile konsequent entfernen, Sendefrequenz an Engagement koppeln. Das verbessert eure Domain-Reputation und macht euch widerstandsfähiger gegen IP-Schwankungen. Kosten: Zeit, kein Geld. Grenze: Ihr könnt die IP-Reputation nicht kontrollieren.

Option 2: Dedicated IP bei Brevo. Brevo bietet Dedicated IPs als Zusatzoption an. Eure Mails laufen dann über eine eigene IP, deren Reputation nur von eurem Sendeverhalten abhängt. Das lohnt sich ab einem gewissen Sendevolumen – bei kleinen Listen fehlt das Volumen, um die IP stabil warm zu halten. Kosten: Aufpreis plus Warm-up-Phase.

Option 3: Plattformwechsel. Wenn die Zustellprobleme trotz Optimierung bestehen bleiben und das Geschäft messbar darunter leidet, kann ein Wechsel zu Klaviyo oder Braze sinnvoll sein. Beide bieten stabilere Infrastruktur, kosten aber deutlich mehr. Ein Wechsel ist kein Upgrade – er ist ein Trade-off zwischen Zustellsicherheit und Budget.

Wir sagen bewusst nicht: Wechselt zu X. Brevo ist für viele Teams die richtige Wahl – wenn man die Zustellbarkeits-Einstellungen aktiv managt. Die günstigste Plattform ist nicht die günstigste, wenn jede zehnte Mail nicht ankommt. Und die teuerste Plattform ist nicht die beste, wenn das Budget dafür andere Investitionen verhindert.

Was ihr daraus mitnehmt

Zustellbarkeit ist kein Feature, das man einmal konfiguriert. Sie ist ein laufender Prozess, besonders auf Shared IPs. Wer Brevo nutzt, muss wissen, dass die IP-Reputation nicht allein in den eigenen Händen liegt – und entsprechend handeln: DMARC sauber aufsetzen, Postmaster Tools beobachten, Bounce-Muster analysieren, und die Entscheidung zwischen Shared IP, Dedicated IP und Plattformwechsel bewusst treffen.

Die Frage ist nicht, ob Brevo gut oder schlecht ist. Die Frage ist, ob ihr wisst, was eure Zustellrate tatsächlich ist – und was ihr dagegen tun könnt. Wenn ihr das herausfinden wollt: Dafür gibt es unseren Instanz-Check.

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