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5. Mai 2026 7 Min. Lesezeit

G2-Reviews als CRM-Strategie-Kompass: Was Tool-Bewertungen über eure Pain Points verraten

G2-Bewertungen sind kein Einkaufsratgeber. Sie sind ein öffentliches Archiv von Konfigurationsproblemen. Drei Beschwerde-Muster, die auf eure eigene Instanz zeigen.

braze klaviyo brevo

Öffnet G2. Sucht nach eurem CRM-Tool. Filtert nach 1- bis 3-Stern-Bewertungen. Lest die Abschnitte “What do you dislike?”.

Was dort steht, klingt vertraut. “Segmentation is too complex.” “Deliverability dropped after migration.” “Support takes too long to respond.” “The UI makes it hard to build automations.” Das sind keine abstrakten Meinungen von Leuten, die das Tool nicht verstanden haben. Das sind Beschreibungen von Konfigurationsproblemen, die wir in realen Instanzen Woche für Woche sehen.

Wir nutzen G2-Reviews nicht, um Tools zu vergleichen. Wir nutzen sie als diagnostische Quelle. Was Hunderte von CRM-Teams öffentlich über ihre Plattform schreiben, ist ein Spiegel für die eigene Instanz. Die Frage ist nicht “Welches Tool hat die besten Bewertungen?”, sondern: “Welche Probleme beschreiben andere, die wir bei uns noch nicht erkannt haben?”

Drei Beschwerde-Muster, die auf Konfiguration zeigen

”Deliverability dropped”: Setup, nicht Software

Einer der häufigsten Kritikpunkte in G2-Reviews betrifft die Zustellbarkeit. Brevo-Nutzer beschweren sich über sinkende Inbox-Raten nach der Migration. Klaviyo-Nutzer berichten über plötzliche Spam-Probleme nach Listenimporten. Braze-Nutzer beschreiben unerwartete Bounces nach dem Go-live.

In fast allen Fällen beschreibt die Beschwerde kein Produktdefizit. Sie beschreibt ein Setup-Problem. Fehlende Domain-Authentifizierung, unsaubere Listenhygiene, zu aggressive Versandfrequenz in der Aufwärmphase. Das sind Konfigurationsthemen, keine Software-Bugs.

Dieses Muster deckt sich mit dem, was wir bei der Brevo-Zustellbarkeit auf Shared IPs im Detail beschrieben haben. Die Plattform liefert die Infrastruktur. Aber ob die Zustellbarkeit funktioniert, hängt davon ab, wie sorgfältig das Setup gemacht wurde. Wenn ihr in euren G2-Reviews “deliverability” als Kritikpunkt findet, lohnt sich ein Blick auf eure eigene Authentifizierung und Versandpraxis, bevor ihr dem Tool die Schuld gebt.

”Too complex”: Falsche Erwartung an die Lernkurve

Braze-Reviews enthalten überdurchschnittlich häufig die Kritikpunkte “steep learning curve” und “complex UI”. Klaviyo-Reviews loben die Einfachheit, kritisieren aber die Grenzen bei komplexeren Use Cases. Brevo-Reviews liegen dazwischen: einfacher Einstieg, Frustration bei Skalierung.

Dieses Muster zeigt nicht, dass ein Tool besser oder schlechter ist. Es zeigt, dass Teams häufig ein Tool wählen, dessen Komplexitätsniveau nicht zu ihrer Reife passt. Ein Team, das von Mailchimp zu Braze wechselt, ohne die interne Kompetenz aufzubauen, produziert exakt die Frustration, die in diesen Reviews steht. Das Tool ist leistungsfähig. Aber die Leistungsfähigkeit wird zur Last, wenn niemand im Team sie bedienen kann.

Wir sehen das regelmäßig in Audits. Braze-Instanzen, in denen Canvas kaum genutzt wird, obwohl es der Hauptgrund für die Anschaffung war. Klaviyo-Setups, die an der Segmentierungslogik scheitern, sobald die Anforderungen über Standardflows hinausgehen. Die G2-Reviews bestätigen dieses Muster auf breiter Basis. Wenn euer Team regelmäßig am Tool scheitert, ist die Frage nicht “Brauchen wir ein einfacheres Tool?”, sondern “Brauchen wir mehr Kompetenz für das Tool, das wir haben?” Das ist exakt die Lücke, die wir im Artikel über CRM-Berater und das Agenturproblem beschrieben haben.

”Support is slow”: Fehlende interne Ownership

Ein drittes wiederkehrendes Muster in negativen G2-Reviews aller drei Plattformen: “Support takes too long.” “Had to figure it out myself.” “Documentation is incomplete.”

In unserer Erfahrung korreliert diese Beschwerde stark mit Teams, die keinen dedizierten CRM-Owner haben. Wenn jede Frage über den Vendor-Support laufen muss, weil intern niemand die Plattform tief genug kennt, entsteht eine Abhängigkeit, die sich in genau diesen Reviews niederschlägt. Das Tool ist nicht das Problem. Die fehlende interne Kompetenz ist es.

Das heißt nicht, dass der Support der Plattformen tadellos wäre. Aber die Häufigkeit dieser Beschwerden sagt mehr über die Organisationsstruktur der bewertenden Unternehmen als über die Qualität des Supports. Teams mit einem erfahrenen CRM-Lead schreiben selten “Support is slow”, weil sie die meisten Probleme selbst lösen können.

Was positive Reviews über ungenutztes Potenzial verraten

Negative Reviews sind aufschlussreich. Positive sind es genauso.

Wenn Braze-Nutzer in 5-Stern-Reviews “Canvas”, “personalization” und “connected content” als Stärken nennen, zeigt das, welche Features den größten wahrgenommenen Wert liefern, wenn sie richtig konfiguriert sind. Wenn Klaviyo-Nutzer “flows” und “segmentation” loben, bestätigt das, dass die Kernfunktionen funktionieren, sobald ein Team sie versteht. Wenn Brevo-Nutzer “ease of setup” und “transactional emails” hervorheben, verrät das, wo die Plattform ihre echte Stärke hat.

Diese positiven Muster sind eine Checkliste für die eigene Instanz. Welche Features loben andere, die wir noch nicht nutzen? Wo steckt ungenutztes Potenzial in unserer Konfiguration? Wer Custom Events sauber aufgesetzt hat, kann die in positiven Reviews beschriebenen Personalisierungsstrategien tatsächlich umsetzen. Wer sie nicht hat, weiß jetzt, warum andere Teams mehr Wert aus derselben Plattform ziehen.

G2-Reviews als Quartals-Monitoring

G2-Reviews haben Zeitstempel. Das macht sie zu mehr als einer Momentaufnahme.

Wer die Bewertungen chronologisch liest, sieht Trends. Brevo-Reviews vor und nach dem Rebranding von Sendinblue zeigen veränderte Erwartungen und neue Frustrationen. Klaviyo-Reviews nach Pricing-Änderungen zeigen, ab welcher Listengröße die Kosten zum Thema werden. Braze-Reviews nach großen Produkt-Updates zeigen, ob neue Features die zuvor kritisierten Lücken tatsächlich schließen.

Diese zeitliche Dimension macht G2-Reviews zu einem Monitoring-Tool für die eigene Plattformstrategie. Einmal pro Quartal, 90 Minuten Aufwand. Die neuesten 20 bis 30 Reviews der eigenen Plattform lesen, nach Mustern sortieren, mit der eigenen Instanz abgleichen. Kein aufwendiger Prozess. Aber ein Erkenntnisgewinn, den kein Dashboard liefert.

Was ihr daraus mitnehmt

G2-Reviews sind kein Einkaufsratgeber. Sie sind ein öffentlich zugängliches Diagnose-Archiv. Was dort über Zustellbarkeitsprobleme, Komplexität und Support-Abhängigkeit steht, beschreibt in den meisten Fällen keine Software-Fehler. Es beschreibt Konfigurationsprobleme, Kompetenzlücken und organisatorische Muster.

Ein konkreter nächster Schritt: Öffnet G2, filtert nach eurer Plattform, lest die letzten 20 negativen und die letzten 20 positiven Reviews. Sortiert die Beschwerden in drei Kategorien: Setup-Probleme, Kompetenz-Probleme, echte Produktlimits. In den meisten Fällen werdet ihr feststellen, dass die ersten beiden Kategorien dominieren. Und dass die beschriebenen Probleme verdächtig nach eurer eigenen Instanz klingen.

Wenn ihr wissen wollt, welche der G2-Muster auf eure spezifische Konfiguration zutreffen und wo die konkreten Hebel liegen: Dafür gibt es unseren Instanz-Check.

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