Braze hat BrazeAI. Klaviyo generiert Segmente aus natürlicher Sprache und schreibt Subject Lines. Brevo rollt AI-Features für Kampagnenoptimierung und E-Mail-Design aus. Jedes Quartal kommen neue Copilot-Funktionen dazu, und jedes Quartal wird die gleiche Frage lauter: Wenn die AI das konfigurieren kann, wozu brauchen wir dann noch Berater?
Unsere Antwort: Genau deshalb. Weil die Konfiguration nie das eigentliche Problem war.
Was AI-Copiloten heute schon können
Bevor wir über Strategie reden, ein nüchterner Blick auf den Stand der Dinge.
BrazeAI hilft bei der Kampagnen-Erstellung: Texte generieren, Liquid-Code vorschlagen, Segmentierungslogik formulieren. Klaviyo AI erstellt Segmente aus natürlichsprachlichen Beschreibungen, optimiert Versandzeitpunkte und generiert Subject-Line-Varianten. Brevo AI unterstützt beim Kampagnen-Setup, schlägt E-Mail-Designs vor und optimiert Versandparameter.
Das ist kein Marketing-Versprechen. Diese Features existieren, und sie funktionieren für operative Aufgaben gut. Ein Segment, das früher fünfzehn Minuten Klickarbeit brauchte, entsteht in Sekunden. Eine Subject Line, für die ein CRM-Manager drei Varianten manuell formuliert hat, wird in zehn Varianten generiert. Liquid-Templates, an denen Junior-Marketer eine Stunde geschraubt haben, schreibt der Copilot in Minuten.
Die operative Konfiguration wird schneller. Das ist Fakt.
Was auch Fakt ist: Keiner dieser Copiloten beurteilt, ob die Konfiguration strategisch sinnvoll ist.
Konfiguration war nie der Engpass
Wir prüfen CRM-Instanzen. Regelmäßig. Und die Probleme, die wir finden, sind fast nie Konfigurationsfehler im engeren Sinn. Es sind Strategiefehler.
Ein Segment, das “aktive Nutzer” heißt und seit acht Monaten die gleiche Definition hat, obwohl sich das Produkt dreimal verändert hat. Ein Welcome-Flow mit sieben E-Mails, der nie gegen eine kürzere Variante getestet wurde, weil niemand die Hypothese hinterfragt hat. Frequency Caps, die auf einer Bauchgefühl-Entscheidung vom letzten Jahr basieren. Custom Events, die niemand mehr triggert, wie wir in unserem Artikel über tote Events gezeigt haben.
Ein AI-Copilot erstellt ein Segment in Sekunden. Er erstellt auch ein falsches Segment in Sekunden. Die Geschwindigkeit ist irrelevant, wenn die Richtung nicht stimmt. Schnellere Umsetzung ohne bessere Entscheidungen ist nicht Effizienz. Es ist beschleunigter Leerlauf.
Das ist keine Kritik an den Tools. BrazeAI, Klaviyo AI und Brevo AI tun genau das, wofür sie gebaut sind: operative Aufgaben beschleunigen. Aber operative Geschwindigkeit löst keine strategischen Probleme.
Die Wertverschiebung: Von Execution zu Strategy
Wenn operative Konfiguration zur Commodity wird, verschiebt sich der Wert.
Für CRM-Teams bedeutet das: Weniger Zeit mit Klicken, mehr Zeit mit Denken. Welche Daten fehlen im Setup? Welche Flows kannibalisieren sich gegenseitig? Wo verliert die Customer Journey ihre Kohärenz? Wo entstehen Consent-Lücken, die kein Copilot erkennt, weil sie kontextspezifisches Wissen über regulatorische Anforderungen brauchen?
Das sind Fragen, die Geschäftsverständnis brauchen. Kontext. Urteilsvermögen. Erfahrung mit ähnlichen Setups und dem Wissen, welche Muster funktionieren und welche nicht. Kein Pattern-Match auf Trainingsdaten, sondern eine Einschätzung, die auf hunderten geprüften Instanzen basiert.
Für Berater bedeutet diese Verschiebung: Der Wert liegt nicht mehr im How. Jeder Copilot kann erklären, wie man ein Segment in Braze anlegt. Der Wert liegt im What und im Why. Welches Segment sollte angelegt werden? Warum dieses und nicht ein anderes? Was sagt die Datengrundlage? Welche Hypothese steckt dahinter?
Das war, ehrlich gesagt, schon immer der Kern guter Beratung. Nur konnte man sich bisher hinter operativer Komplexität verstecken. Das geht nicht mehr.
Warum das eine gute Nachricht ist
Für CRM-Manager ist die operative Konfigurationsarbeit der Teil, der ausbrennt.
Vierzehn Subject-Line-Varianten schreiben. Segmente manuell zusammenklicken. Liquid-Templates debuggen, bis die Personalisierung stimmt. A/B-Tests aufsetzen, bei denen die Erstellung länger dauert als die Analyse. Das ist nicht die Arbeit, wegen der jemand CRM-Manager geworden ist.
Wenn Copiloten diese Arbeit übernehmen, bleibt Zeit für die Arbeit, die tatsächlich Impact hat. Strategie. Analyse. Hypothesenbildung. Die Frage: Tun wir das Richtige? Statt: Wie konfiguriere ich das Richtige?
Das ist keine Entwertung von CRM-Kompetenz. Es ist eine Aufwertung. Die Fähigkeit, ein Tool zu bedienen, wird weniger wert. Die Fähigkeit, zu wissen, was das Tool tun soll, wird wertvoller.
Gleichzeitig werden die Ansprüche steigen. Wenn die Konfiguration in Minuten statt Stunden steht, fällt auf, wer keine Strategie hinter der Konfiguration hat. Wenn jeder ein Segment bauen kann, differenziert sich, wer das richtige Segment baut. Wenn Subject Lines automatisch generiert werden, zählt, wer die richtige Messaging-Strategie dahinter definiert.
Unsere Position
Wir sagen das offen: Teile der Arbeit, die CRM-Berater heute machen, werden durch AI-Copiloten ersetzbar. Das betrifft auch uns. Konfigurationshilfe, Tool-Onboarding, Template-Erstellung – Copiloten übernehmen das, und sie werden dabei besser.
Was Copiloten nicht übernehmen: den blinden Fleck finden. Die Frage stellen, die das Team nicht stellt, weil es zu nah am eigenen Setup ist. Beurteilen, ob ein CRM-Stack zum Geschäftsmodell passt oder ob er gewachsen ist, ohne dass jemand die Grundannahmen geprüft hat. Erkennen, dass die CDP, die gerade evaluiert wird, ein neues Problem schafft statt ein bestehendes zu lösen.
Berater, deren Wert darin bestand, Buttons zu klicken, die der Kunde nicht gefunden hat, werden tatsächlich ersetzbar. Das war aber nie gute Beratung.
Gute CRM-Beratung war immer: den blinden Fleck finden, die richtige Frage stellen, die Strategie hinterfragen. “Wir sehen, was ihr nicht mehr seht” – das gilt für CRM-Instanzen. Und es gilt für die Veränderung, die AI in der CRM-Branche auslöst.
AI-Copiloten machen das Handwerk schneller. Die Frage bleibt: Handwerk wofür? Diese Frage beantworten weiterhin Menschen.


